Einfach beneidenswert ...
Comicfinder Mika Robit frönt genüsslich seiner Sucht
Wenn Homer Simpson seine kleine Tochter Maggie mit zur Arbeit nimmt, dann strahlt sie – allerdings hinterher. Tja, und da der Papa im örtlichen Atomkraftwerk arbeitet und da dieser Papa eben Homer Simpson ist, verspricht das einen furiosen Tag auf einem außergewöhnlichen Abenteuerspielplatz.
Homie ist wie üblich konzentriert bei der Sache. Nur nicht bei der eigentlichen. Mit seinen Kollegen Lenny und Carl streitet er unbeirrt um einen Buttermilchkringel, um den „König des Schmalzgebäcks“.Klar, dass Baby Maggie derweil munter davonrobbt. Klar, dass sie unerschüttert durchs Innenleben der Kernkraft irrt. Zisch! Blubber! Britzzzel! Klar auch, dass der umstrittene Donut eine Kernschmelze auslöst. Ahuuugah!
Autor Scott Shaw! erzählt geradeaus und schnörkellos. Er bietet Zeichner Carlos Valenti gestalterischen Freiraum, um die nuckelnde Maggie vorbeipurzeln zu lassen an Stampfern, Turbinen, Greifarmen. Ich hab beim Lesen deutlich ihr Nuckisuckeln gehört, das ich in den Zeichentrickfilmen mit den Simpsons schon immer so liebe.
Kernschmelze mit Maggie (im US-Original Maggie’s Meltdown) ist der Aufmacher der Nummer 44 der Comicreihe Bart Simpson. Eine gute Entscheidung der Redaktion, denn die später folgende Story mit dem eigentlichen Titelhelden Bart ist ein wenig müde: So ein Schlammassel – Bart’s Name Is Mud (Script: James W. Bates, Zeichnungen: Marcos Asprec).
Willie, Hausmeister an Barts Schule, hat sich bodenständig besoffen. Beim Bewässern des Rasens ist er dann weggeschnarcht (Dieses Bewässern ist hier wörtlich gemeint ... bitteschön). Ergebnis: Es sieht aus nach Schottischem Hochmoor. Nein, eher sieht es aus nach einem Moordsspaß, findet Bart: „Ran an den Schlamm!“. Die Variationen sind dann naturgemäß etwas begrenzt: Schlammpackungen, Schlammkuchen, Schlammschlacht …hmmm … ich überlege … doch … tatsächlich … das war’s eigentlich schon. Nehmen wir die Geschichte einfach als Entspanner nach Maggies nervenzerrendem Atommeiler-Seeing.
Bart Simpson – Einzelgänger ist die deutsche Ausgabe von Bart Simpson – Original Maverick, in den Staaten im Oktober 2008 erschienen. Ich denke, man hätte Original Maverick knackiger mit Quertreiber übersetzt. Nun ja. Doch generell hat Translator Matthias Wieland beachtliche Arbeit abgeliefert und Barts Wortakrobatik passend rüberjongliert. Anerkennend in die Hände klatscht.
Das ist oft ausgesprochen schwer. Die dritte Geschichte des Hefts heißt im Original Citizen Cane. Ein Wortspiel, das sich auf Orson Welles’ genialen Spielfilm Citizen Kane bezieht und gleichzeitig den Begriff Cane nutzt. Cane bedeutet einerseits Gehstock, to cane aber auch jemanden verprügeln. Jimbo Jones und seine Kumpane finden es cool, behinderten Senioren die Gehstöcke wegzubolzen. Tret! Poff! Dieses Vergnügen nennen sie „Kick the Cane“. Der Sprachgag funktioniert so natürlich im Deutschen überhaupt nicht. Wieland titelt Stockschwerenot und Jimbos Spiel heißt hier Stockschießen. Sauber pariert.
Jimbo dagegen loosert. Er wird erwischt und zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit im Altenheim verdonnert. Gut, dass unser Stockschießer da nicht erkennt, dass hier das Wörtchen gemein drinnesteckt. Im Original heißt es ja auch Community Service.
Dann aber beobachtet er wie Schwester Gnadenlos mit den Alten umspringt. Und stellt am Ende reichlich resigniert fest: „Was die Misshandlung von alten Menschen angeht, sind wir doch echte Amateure.“ (Script: Earl Kress, Zeichnungen: Marcos Asprec).
Simpsons at its best – bissig, ironisch, sarkastisch, mit dem speziellen Touch Philosophie. Es ist schon wahr – immer, wenn ich ein wenig länger über derartige Geschichten nachdenke, bemerke ich, wie nah sich Lachen und Weinen sind. Grinsniff.
