Stattgegeben!
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Entscheidenden Einfluss hatte hier Gail Patrick Jackson. Die attraktive Ex-Schauspielerin kannte das Business. Und sie besaß das erforderliche Kaufmanns-Gen.Gardner hätte sie gerne als Della Street engagiert, aber sie entschied sich für eine Rolle hinter den Kulissen: Sie wurde Executive Producer. Ihre Wunschbesetzung für Perry Mason war William Holden. Dann aber kam jenes Casting, bei dem Raymond Burr für die Rolle des Staatsanwalts Burger vorsprach und darum bat, sich doch auch noch als Strahlemann versuchen zu dürfen. Jackson tat ihm den Gefallen. Kaum sah Gardner diese Tests im Regieraum, wurde er fiddelig und rief: „Das ist Perry Mason!“
Tatsächlich identifizierte sich Burr im Laufe der Jahre so mit der Rolle, dass er aufpassen musste, Autogrammkarten nicht mit Perry Mason zu signieren.
Eine Episode kostete rund 100.000 Dollar. Big Bucks Ende der 1950er, durchaus aber kein Traumetat für eine Stunde Fernsehdrama. Herausforderung: Wo und wie kann günstig produziert werden, ohne den generellen hochwertigen Look zu gefährden?
So verteidigt Mason meistens in Voruntersuchungen und nur in Ausnahmefällen vor einer Jury, denn das sparte auf einen Schlag zwölf Statisten. Die Establishing Shots, die dem Zuschauer zeigen, wo die nächste Szene spielt, waren Archivware. Und manche Einstellung, etwa die vom Los Angeles Freeway, findet man identisch in mehreren Folgen.
Gefilmt hat Paisano weitgehend im Studio, auf dem Gelände der Twentieth Century Fox an der Western Avenue. Außenaufnahmen wurden in der Nähe gemacht. Und wann immer ein See auf dem Drehplan stand, ging’s raus zum Malibou Lake. Der liegt unweit der Hollywood Studios und bietet eine Vielzahl von Motiven.
Szenen in Filmklassikern wie Chaplins Der große Diktator oder Vom Winde verweht zeigen den wirklich vielseitigen Malibou Lake. Ende September 1931 warf der Darsteller Boris Karloff hier ein kleines Mädchen ins Wasser und machte so Filmgeschichte. Er verkörperte Frankensteins Geschöpf, das Mädchen ertrank im Film und die Szene erregte großes Aufsehen. Hätte Perry das Monster damals verteidigt, hätte selbst dieser Horror wohl ein Happy End gefunden. „Das ist inkompetent, irrelevant und unwesentlich“, höre ich Staatsanwalt Burger moppern. „Es geht um Fakten, die nicht beweiserheblich sind.“ Hat er ja Recht. Aber es sind halt diese Details, die den größten Spaß machen.
Die Sets sind gewohnt liebevoll arrangiert. Allerdings scheinen einzig die Ausstatter eine Erhöhung ihres Budgets erstritten zu haben. Oder litten sie gar unter einem akuten Schub von Morbus Vollpappus, einer krankhaften Aversie gegen leere Wände? Die ist ja gerade unter Dekorateuren weit verbreitet.
Egal, wo es uns hinführt: Gemälde überall, ein Ziertellerchen hier, ein Kerzenständerlein da, Pokale, glitzerglänzer Buchstützen, Stehlampen, wuchtige Übervorhänge. Selbst in den billigsten Absteigen treffen sich wohl regelmäßig Mitglieder vom Verband wohltemperierter Innenarchitekten, die putzige Kommoden mitbringseln, Gummibäumchen, die ein oder andere Sammelvase (Kurioserweise wirkt Della Streets Vorzimmer oft öde und leer. Hat die Tüchtige schon wieder alles abgearbeitet?)Wer hält das so diskret sauber? Anscheinend wird zu all diesen vollgepfropften Räumen die hurtige Putzfee gleich mitgeliefert. Die erste Staffel orientierte sich an den düsteren Motion Pictures der Schwarzen Serie, hauchte noch mehr Film Noir. Die meisten Sets der zweiten Staffel würden sich auch für die Dreharbeiten der beliebten Familienserie Mutti hat grad durchgewischt eignen.
Nur manchmal darf eine Leiche herumliegen, aber bitte dezent gefaltet und nur für kurze Zeit. Ach ja, im Kristallaschenbecher werden auch mal ausgedrückte Kippen geduldet. Einspruch! Die waren wahrscheinlich sogar ausdrücklich erwünscht. Stattgegeben. Denn einer der Sponsoren der Show war die Philip Morris & Company Ltd., Inc., der auch schon in den 1950ern mächtige Tabakkonzern. „Und plötzlich waren die Scripts angefüllt mit blauem Dunst“, analysierte Raymond Burr. Nun ja, ein Nikotindouble hatte er ja auch kaum.
Im Fall mit dem überarbeiteten Lehrer (The Case of the Married Moonlighter) sitzt sein Perry Mason versonnen am Schreibtisch, glimmt nachdenklich am Stängel. „Wie geht’s?“, fragt er später seinen eingekerkerten Mandanten. Der bebt schon, aber nicht etwa vor Angst. „Haben Sie eine Zigarette?“, suchtelt er.
Im Fall mit dem spanischen Kreuz (The Case of the Spanish Cross) schwankt der trunksüchtige Klienten-Papa mit gläsernem Blick, eine Lulle zwischen den Zitterfingern. Mason überreicht ihm zum Abschied seine Visitenkarte, Private Eye Drake legt seine angebrochene Zigarettenpackung auf den Wackeltisch. Der Detektiv kennt das Leben. Der spürt, wo es am Nötigsten fehlt.
